Die Mittelmeer Monologe

Dank der Kooperation von Seebrücke Graz und Snapshots from the Borders wurde der 9. September 2020 zu einem bewegenden Abend, der von allen Beteiligte emotional einiges abverlangte. Das Literaturhaus in Graz war nach den aktuellen Covid-Auflagen gut mit Interessierten gefüllt.

Das dokumentarische Theater „Die Mittelmeer Monologe“ von Michael Ruf von Wort und Herzschlag handelt von Tragödien am Meer – menschengemacht, von Menschen die helfen, von politischen Systemen die blockieren und menschenfeindlicher Abschottung. Der Autor und Regisseur hat anhand von Interviews mit Geflüchteten und HelferInnen vier, teils ineinander verwobene Monologe, festgehalten. Die Originalgeschichten wurden teilweise verdichtet, aber nichts dazu erfunden. Professionelle SchauspielerInnen haben die Monologe eingängig vorgetragen.

Die Mittelmeer Monologe erzählen von den politisch widerständigen Naomie aus Kamerun und Yassin aus Libyen, die sich auf einem Boot nach Europa wiederfinden, von brutalen ‘Küstenwachen’ und zweifelhaften Seenotrettungsstellen und von Aktivist*innen, die dem Sterben auf dem Mittelmeer etwas entgegen setzen.
Diese Aktivist*innen überzeugen beim ‘Alarmphone’ die Küstenwachen, nach Menschen in Seenot zu suchen oder lernen auf der ‘Seawatch’, Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren – kurzum sie tun das eigentlich Selbstverständlichste, was im Jahr 2020 alles andere als selbstverständlich ist: menschliches Leben zu retten!

Nach dem Stück kamen drei in Graz lebende Menschen mit Fluchterfahrung auf die Bühne. Sie haben ähnliche Tragödien wie im Stück zum Teil selbst erlebt. Sie stellten sich tapfer den Fragen des Publikums obwohl sie traumatische Erfahrungen mit sich tragen und unter der Blockade-Politik der österreichischen Migrationspolitik leiden.

Eingeladene lokale PolitikerInnen hatten andere Termine, dabei wäre gerade dieser Termin für ihre Herzensbildung und für ihr Verständnis für Menschenrechte besonders wichtig gewesen.